Alternative Therapieansätze

Eines vorweg: Das Fortschreiten einer MS aufzuhalten, vermögen momentan nur medikamentöse Therapien wie z.B. die immunmodulierenden Medikamente. Hingegen haben viele Betroffene und auch behandelnde Ärztinnen und Ärzte beobachtet, dass ergänzend zur immunmodulierenden Therapie komplementärmedizinische Ansätze hilfreich sein können. Das Spektrum ist hier unendlich und reicht von Schüsslersalzen, Colostrum (Kuh-Frühmilch) über Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und vitaminähnliche Substanzen wie Carnitin, bis zu chinesischen Hausmitteln wie Grüntee. Zur Linderung von Spastiken und Verspannungen wird heute teilweise ärztlich verschriebenes Cannabis eingesetzt.

Wichtig ist, dass Sie Ihren Arzt über alle Substanzen informieren, die Sie neben einer medikamentösen Therapie einnehmen. Es ist möglich, dass Nebenwirkungen oder Interaktionen eintreten, von denen Sie nichts wissen und auf welche die Anbieter von alternativen Therapien nicht von sich aus hinweisen.

Für Methoden aus der alternativen Medizin fehlt jedoch weitgehend der wissenschaftliche Nachweis eines Nutzens bei MS. Alternative oder komplementäre Methoden können die medikamentösen Behandlungen nicht ersetzen, höchstens ergänzen. Auch bei der MS werden – zumindest versuchsweise – komplementäre oder alternative
Behandlungsmethoden eingesetzt. Sie können als Ergänzung im Individualfall sinnvoll sein, unter der Voraussetzung, dass sie nicht zusätzlich belasten. Bisher sind nur wenige komplementärmedizinische Verfahren in wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Es fehlt deshalb ein Wirksamkeitsnachweis, wie er für die üblichen Medikamente der Schulmedizin selbstverständlich ist. Von Nutzen für MS-Patienten sind besonders Komplementärtherapien, deren Ziel Entspannung, seelische Aktivierung und allgemeines Wohlbefinden ist. Schon das Gefühl, die eigene Situation bewusst selber in die Hand zu nehmen, kann vielfach grosse psychische Kraft zur erfolgreichen Krankheitsbewältigung vermitteln.

Bei der Auswahl der Methode wird Sie der behandelnde Arzt gerne beraten und für Fragen während der Therapiezeit partnerschaftlich zur Seite stehen. Vorsicht ist geboten bei Heilmitteln (auch pflanzlichen), welche eine Stimulierung des Immunsystems zum Ziel haben.

Jürg Kesselring

Hören Sie im Interview mit Professor Jürg Kesselring, was ihn an der Neurologie fasziniert und weshalb man seinen Humor nicht verlieren sollte.

 

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