10.05.2012
von Christian Rusterholz

Grenzen überschreiten

Unsere Spenden-Tour im letzten Jahr war ein voller Erfolg. Auf fast 1800 Kilometern lief alles super und die Spenden zu Gunsten der MS Gesellschaft Schweiz flossen in Strömen. Nur bei mir persönlich lief es nicht ganz so fliessend, eher stolpernd, im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf ein Hoch folgt oft ein Tief – oder umgekehrt
Nach der Tour habe ich mich pudelwohl gefühlt. Ich lief gut und somit lief alles um mich herum gut. Ich meisterte meinen stressigen Job und hatte noch genug Zeit für andere Dinge wie Unternehmungen mit Freunden.

August - Spitalzeit
Dann kam der August und ich musst ins Spital. Die MS meldete sich mit Pauken und Trompeten zurück und wollte mit allen Mitteln meine Aufmerksamkeit. Ich war beinahe ins Spital gekrochen. Nur mit grösster Anstrengung konnte ich mich auf den Beinen halten. Es kribbelte in meinem Bauch und eine geschätzte Million Ameisen machte sich an meinen Beinen zu schaffen und liessen sich einfach nicht abschütteln. Das war schlimmer als jede Erinnerung an Ameisenhaufen in der Kindheit. Das Zauberwort hiess Kortison. Eigentlich ist es ja gleichzeitig ein Fluch denn ich ging auf wie ein kleiner Hefekloss. Im Spital hatte ich einen Fensterplatz und konnte, da ich leicht unterbeschäftigt war, mit „meiner MS“ diskutieren. Wir sind zum Schluss gekommen, dass ich nicht kampflos aufgeben werde. Mein Laptop hat mich dann von weiteren Diskussionen abgehalten und ich habe mich sinnvollerem, nämlich meiner Arbeit gewidmet. Die Schwestern haben zwar den Kopf geschüttelt, aber ich denke ich war ihnen so lieber als wenn ich mich selbst bedauern würde. Nach einer Woche wurde ich nach Hause entlassen. Die Krankenkasse sah keinen Sinn in einer anschliessenden Reha. Nach genau drei Tagen zu Hause war ich wieder in der Notaufnahme. Nein, es lag nicht an meinem Umfeld zu Hause, dort fühle ich mich im Allgemeinen sehr wohl. Diagnose, neuer Schub oder immer noch derselbe Schub, wie auch immer. Wieder hiess es Kortison und Fensterplatz. Diesmal habe ich gar nicht erst überlegt sondern den Laptop direkt mitgenommen um mir Diskussionen mit der MS zu ersparen. Nach einer Woche wurde ich wieder in die Arbeitswelt entlassen. Einen Reha-Aufenthalte hat meine Krankenkasse auch diesmal abgelehnt. Wozu auch, der arbeitet ja noch im Spital...

Kraftlos, aber nicht mutlos
So habe ich mich von den zwei Schüben nur schlecht wieder erholt. Mein Gangbild war ein Bild des Grauens und die Beine weich wie Pudding. Wer bis jetzt noch nicht wusste, dass ich MS habe, der hat es jetzt ganz sicher gesehen. Ganz langsam habe ich mich wieder halbwegs erholt. Die Arbeit ist eine gute Medizin für mich. Aber ich brauchte nun ängere Erholungsphasen. Um sechs Uhr klingelt jeweils Montags bis Freitags mein Wecker. Dann geht’s los zur Arbeit. Gegen 18 Uhr bin ich zurück. Dann steht meist schon das Nachtessen bereit und gegen 20 Uhr schlafe ich auf dem Sofa ein, um gegen 21 Uhr gehe ich Richtung Bett. Da bleibt wenig Zeit für Kollegen, Freizeitaktivitäten oder Krafttraining für die verlorenen Muskeln. Manchmal schaffte ich es noch auf das Spinning-Rad und an den Wochenenden auch mal auf mein Rennrad.

Weihnachtszeit
Dann im Dezember die Weihnachtsferien. Das ist doch der ideale Zeitpunkt um sich wieder mal bei mir zu melden, dachte die MS. Ich wurde im Spital am Empfang mit Namen begrüsst, bevor ich mich vorstellen konnte. Diesmal hatten die Ärzte Mitleid mit mir und entschieden, dass, weil Weihnachten oder dank dem Hundeblick meiner Freundin, die Infusionen für dieses Mal ambulant verabreicht werden konnten. Da ich zu dieser Zeit wieder ziemlich wackelig auf den Beinen war, übernahm meine Partnerin den Transport und fuhr mich jeweils zum Spital, dann las sie alle Klatschhefte in der Cafeteria und schleppte mich nach einer Stunde wieder heim, wo ich mein festes Lager im Wohnzimmer installiert hatte. Laptop, Fernseher, Decke und eine Klingel für Wünsche, alles in Reichweite. So langsam nahm mein Gesicht dank dem Kortison wieder die Form eines Smilys an, kreisrund. Meine Beine wollten nicht so wie ich und als dann ein Arbeitskollege im Januar meinte, Christian Du musst ja über Weihnachten unglaublich gut gegessen haben so rund wie Du geworden bist, hatte ich nur ein müdes Lächeln für ihn übrig. Diesmal habe ich mich schlecht wieder erholt. Meine Beine haben meinen Willen und die Meldung vom Kopf, ihr sollt laufen, ignoriert.

Notbremse Reha
Gezahlte Reha, Wunschdenken. So habe ich mich im Januar auf eigene Faust für eine Reha angemeldet und diese dann auch selbst bezahlt. Die drei Wochen in Valens haben mir so gut getan! Ich konnte enorm viel Energie und Kraft tanken. So habe ich dann auch den diesjährigen Autofhar-Test, den ich jährlich absolvieren muss, mit Bravour bestanden.

50% Leistungssteigerung
Ich konnte gegenüber dem Eintrittstest meine Leistungsfähigkeit bei den Tests zum Abschluss der Reha um über 50% steigern, in nur drei Wochen! Mit neuer Energie konnte ich die Klinik wieder verlassen. Eine Investition, die sich in jedem Fall gelohnt hat. Nach dem Aufenthalt habe ich wieder begonnen die nächste Spenden-Tour zu planen. Mit Initiative und Einzahlungsscheinen gerüstet, bin ich nun auf Sponsorensuche. Diesmal sammeln wir für MS Betroffene, denen wie mir selbst, Reha Aufenthalte verweigert werden und die sich diese Aufenthalte nicht selbst leisten können.

Leistungsniveau halten und verbessern
Mein Fazit. Es ist ein Kampf gegen die MS. Jeden Tag aufs Neue. Wenn morgens der Wecker klingelt, war die schlaflose Nacht wieder viel zu kurz. Ich nehme neuerdings ab und zu den oberen Wohnungsausgang, statt dem in der unteren Etage. Dann spare ich mir die Stufen, denn es gibt Tage, da wird die Treppe zur Herausforderung. Ich bin, sofern es das Wetter und meine Gesundheit erlauben, wieder am trainieren für die neue Tour von Frankfurt nach Zürich. Diesmal haben wir die Etappen gekürzt und sind statt 120 noch 60 km am Tag unterwegs. Das ist noch die Hälfte der Strecke vom letzten Jahr. Aber ich bin stolz, mich wieder hochgekämpft zu haben und wir werden wieder unterwegs sein. Ausserdem habe ich an dieser Tour ein Elektrorad der Firma Flyer dabei. Für alle Fälle.

Liebe MS, Du hast dir den Falschen ausgesucht. Ich gebe noch lange nicht auf. Mein Motto heisst „Grenzen-überschreiten“ und das jeden Tag.

Den ebenfalls betroffenen Lesern alles Gute.
Christian Rusterholz

www.grenzen-ueberschreiten.ch

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Multiple Sklerose
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14.03.2012
von Niggi Schubert

Akt der Befreiung oder Papierverschleiss?

Schreiben ist eine ausgezeichnete Therapie. Hat dies nicht jeder von uns schon mal gehört? Weshalb eigentlich? Schon Wilhelm Busch wusste doch:

Das Schreiben, das Schreiben,
Soll man nicht übertreiben,
Das kostet bloss Papier.

Was also soll am Schreiben so heilsam sein?

Als MS betroffener Schriftsteller habe ich mir diese Frage natürlich schon verschiedentlich gestellt. Besonders als ich an meinem neusten Roman «Licht über verkrüppelten Palmen» arbeitete. Der junge Architekturstudent Peter wird darin mit der MS-Diagnose konfrontiert und muss seine bisherigen Lebenspläne überdenken. Er resigniert aber nicht, sondern kämpft um seine Freiheit und Selbstverwirklichung, auch wenn er der Krankheit letztlich nicht ausweichen kann.

Stellt sich natürlich die Frage: Wie viel Niggi steckt in Peter?

Ein Theatermann gab mir zu diesem Thema einen wertvollen Gedankenanstoss: Er riet mir, mich als Autor von meiner Hauptfigur zu distanzieren. Damit agiert der Protagonist nicht mehr als mein Alter Ego, sondern als eigenständige Persönlichkeit mit einem eigenen Krankheitsverlauf. Das Spannende daran: Anders als in meinem wirklichen Leben als MS-Betroffener kann ich die Krankheit meines Protagonisten steuern, um so die Handlung voranzutreiben. Beim Schreiben bestimme ich über die Multiple Sklerose und nicht sie über mich.

Es gibt Tage, an denen fehlt mir die Kraft zum Schreiben. Dann verfasse ich kürzere Texte, etwa ein Gedicht. Wichtig ist, dass ich meine Gedanken und Geschichten festhalten kann. Denn selbst der kostenbewusste Wilhelm Busch hat wohl die Erfahrung gemacht: Schreiben kann einem eine Freiheit vermitteln, die unbezahlbar ist. Aus diesem Grund möchte ich in Zukunft irgendwann eine Schreibwerkstatt für MS-Betroffene anbieten. Auch andere sollen erfahren, wie es sich anfühlt, wenigstens schreibenderweise über die MS zu bestimmen und so eine hilfreiche Distanz zu schaffen.

Auszug aus Niggi Schuberts Roman

  

     Niklaus Schubert
     Licht über verkrüppelten Palmen
     Roman. Mit einem Nachwort von Jürg Kesselring
     Verlag Johannes Petri 2011.
     300 Seiten. Gebunden.
     CHF 27.—
     ISBN 978-3-03784-010-8

 

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01.02.2012
von Andrea

Was bist denn du für ein Sonnenschein?!

Früher hab ich mich eher rausgehalten. Die Betonung liegt auf EHER – ich war schon immer eine direkte Person und äusserte dies, wenn mich etwas wurmte.
Heute... man könnte mich wohl fast frech nennen, schäm. Aber ich kann unterdessen nicht mehr so gut „uf d’Schnurre hocke“, wie ich es früher getan habe. So ist es für mich kein Problem, eine unfreundliche Verkäuferin, einen Flegel von Versicherungsberater, einen verbitterten Passkontrollbeamten oder gar einen überheblichen Herrn in einer höheren (wirklich höheren) Position zu fragen „haben Sie schlechte Laune?“. Meist sind die Angesprochenen sehr verdutzt und sprachlos – ändern dann urplötzlich ihr Verhalten und merken selbst, dass das Gegenüber (ich) nichts für die schlechte Laune kann. Diese Reaktion finde ich sehr gut, denn jeder hat mal schlechte Laune und realisiert nicht wie sehr sie/er dies nach aussen trägt.
Dann gibt es diejenigen, die sich entschuldigen und bei denen man gleich beim ersten Wort merkt, dass es ihnen „schnurzpipegal“ ist, wie sie auf andere wirkten und sie nur die Zeit bei der Arbeit so rasch wie möglich rumbringen will.

Die Herrlichsten sind allerdings diejenigen, welche noch unfreundlicher werden (meist in höheren Positionen vertreten) und versuchen, einem auf eine Stufe zu degradieren, welche wirklich nicht löblich ist. Solche Menschen tun mir im Nachhinein immer sehr leid. Leid dafür, dass sie offensichtlich ein unglückliches Leben leben, nichts daran ändern, weil sie Angst vor Neuem haben und dies willentlich an anderen auslassen, um sich wenigstens für 5 Minuten mächtig und wichtig zu fühlen. Ihnen kann ich nur empfehlen: Seid mutig! Glücklichsein ist so schön und die Frage „was bist denn du für ein Sonnenschein?" kann ohne Ironie gestellt werden.

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07.12.2011
von Andrea

Machtkämpfe – eine Notwendigkeit?

Wahrscheinlich wurden alle von uns schon irgendwelchen Machtkämpfen ausgesetzt. Gerade wenn man krank wird, ist es plötzlich normal, dass man sich ständig verteidigen muss. Ich frage mich, ob diese Machtkämpfe notwendig sind. Ist es legitim, sich ständig wehren zu müssen? Ein unnötiges Übel, aber wohl notwendig. Surreal und vielleicht auch unmenschlich? Wenn einem vermittelt wird, dass man im Grunde genommen eh keine Chance hätte, wenn man sich wehren und sich auf sein Recht berufen würde…hmm. Es macht mich wütend, aber mehr noch sehr traurig. Es ist so unnötig. Ob man diese Machtausübungen als notwendig ansieht oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Stolz darauf sein kann wohl niemand, ausser derjenige, welcher über keine sonstigen Argumente verfügt.

Man könnte sich wahrscheinlich darüber stundenlang auslassen…aber das ist verschwendete Energie und die benötige ich für schöne Dinge in meinem Leben.

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08.09.2011
von Ramona

Bausteine für ein glückliches Leben

Seit meiner Diagnose sind jetzt schon drei Jahre vergangen. Der Schock war eigentlich nicht mal so heftig. Ich sass da, als ob es nicht um mich gehen würde. Ich denke, das Schockerlebnis dauerte ca. 3 Monate, bis ich zu realisieren begann und ich diese Diagnose annahm. Es vergeht wahrscheinlich kein Tag, an dem ich nicht an die Krankheit denke. Es ist kein bewusstes Denken, sondern einfach ein Wissen, das mich Tag für Tag begleitet. Die MS ist in meinem Alltag in den Hintergrund getreten. Ob das positiv oder negativ ist, ist in meinem jetzigen Fall unklar, denn für mich bedeutet es zugleich eine Ablenkung von sich selbst. In einem gewissen Masse ist es sehr hilfreich und auch gesund, sich ablenken zu können. Ich habe momentan aber zu wenig Zeit für mich. Und habe eher Angst mich zu verlieren. Durch die langen Arbeitstage kommt die Freizeit zu kurz. Und somit auch die Zeit realisieren zu können, wie’s mir eigentlich geht und wohin ich möchte. So meine momentane Lage...

 
Als ich die Diagnose bekam, schossen mir zuerst die drei Worte durch den Kopf: Sport, Weiterbildung und Ausgang. Das waren die drei Dinge, in denen ich keine Verluste einbüssen wollte. Ich sagte es meinem Arzt, doch diese Frage hat nicht er zu beantworten. Sondern die Antwort liegt bei jedem selbst. Er hat mich zwar durchaus positiv gestimmt, denn er sagte mir, ich soll alles so beibehalten wie bis anhin. Der Sport begleitet mich noch immer und wirkt sich sehr positiv aus. Denn ich bin stolz, so viel leisten zu können und das gibt mir noch mehr Kraft; das selbe gilt bei der Weiterbildung. Es ist falsch zu denken, die MS würde einem was nehmen. Ich habe durch sie gewonnen, weil ich nicht denke, dass die MS ein Hindernis ist. Besonders wichtig ist es aber, sie zu beobachten. Denn man kann schneller wieder in ein Loch fallen, als man denkt, ohne dass man es realisiert. Manchmal gibt es Situationen, die schlechte Erinnerungen hervorrufen und einen wieder in dasselbe Schema leiten können. Es gibt bei mir immer wieder Situationen, in denen ich mir hilflos vorkomme. Jede Situation oder jedes Gefühl wird mit einer früheren Erfahrung verglichen. Wir reagieren meistens auf Grund unserer Erinnerungen und Erlebnisse. Ca. 2 Jahre nach der Diagnose waren meine zurückführenden Erinnerungen negativ. Wenn ich etwas erzählte, hatte es immer einen melancholischen Touch. Jetzt ist aber die Zeit gekommen, an dem die positiven Ereignisse näher liegen und mein Hirn auf diese zurückgreift. Aber  diese Wandlung brauchte Zeit. Und es ist auch hier die Zeit, die heilen kann. Es braucht Zeit sowie Geduld eine solche Diagnose annehmen zu können. In der Zwischenzeit sollte man einfach so viele positive Momente einfangen wie möglich. Denn sie sind die Bausteine des glücklichen Lebens mit oder ohne MS.
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16.08.2011
von Andrea

Eine «Lebenswünscheliste» darf man beliebig verlängern, kürzen und abändern

Ich glaube, dieses Wort existiert so gar nicht, aber das macht nichts. Es passt.
Mein Schatz und ich haben uns darüber unterhalten, dass es doch für jeden irgendwelche Wünsche im Leben gibt, die nicht umsetzbar sind...aber da gibt es auch welche, die grundsätzlich umsetzbar wären, wir uns diese aber aufgrund unserer Vernunft oder Angst vor der Umsetzung nicht erfüllen. Genau diese Wünsche werde ich mir erfüllen...vielleicht mit Respekt, aber ohne Angst.
Einen grossen Wunsch habe ich bereits umgesetzt. Wir haben seit 4 Wochen eine Mopshündin. Sie heisst Emma und hält mich auf Trab - im positiven Sinne. Die täglichen Spaziergänge tun uns beiden uuu gut und die Spastik in den Beinen hat sich dadurch extrem gebessert. Klar, ab und zu braucht es auch Nerven, aber die habe ich ;-)).

Auf meiner Lebenswünscheliste stehen noch weitere Sachen:

  • Salsa (Tanz) lernen
  • In einem Musical mitwirken
  • Wieder nach Sanibel Island zu fliegen
  • Eine Fotoausstellung machen können
  • Einen guten Verlauf meiner MS
  • Auf ewig glücklich sein.

Die Liste scheint relativ kurz, aber für mich sind diese Dinge, ob umsetzbar oder auch nicht, aktuell am vordergründigsten. Es kommen bestimmt noch einige Dinge dazu oder ich hab grad welche vergessen;-), aber eine Lebenswünscheliste darf man beliebig verlängern, kürzen und abändern.

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12.08.2011
von Andrea

Vetrauen ist gut - Kontrolle ist besser

Hat sich mein allgemeiner Zustand verschlechtert im Hinblick auf das letzte Jahr? Manchmal oder eher öfter bin ich mir da sehr unsicher. Vielleicht nehme ich die Änderungen bzw. Verschlechterung meiner Augen und meines Gleichgewichtes erst jetzt richtig war und ignoriere sie nicht mehr oder aber es hat sich allgemein verschlechtert. Minim aber trotzdem zu beachten.

Meine 2 bis 4 Bonsaischübe im Jahr lassen ab und zu an mir selbst zweifeln...sind sie ganz weg? Wenn das Thermometer über 24 Grad steigt spüre ich sie wieder – waren sie nie weg und ich bemerke sie jetzt intensiver weil es so warm ist? Ich weiss es nicht – und somit ist das Sprichwort „Vertrauen ist gut - Kontrolle besser“ an mich selbst gerichtet.

Nicht immer kann man sich selbst am meisten trauen.

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11.07.2011
von Andrea

Jammerlappen?!

Ab und zu ertappe ich mich dabei, wie ich mich ab Menschen innerlich sehr ärgere, die ständig wegen "Kleinigkeiten" jammern. Vor allem wenn es um Gesundheitliches geht. Ständig hör ich mir an, wenn jemand ein Wehwehchen hat. Bis zu einem Mass finde ich das absolut normal und auch akzeptabel, aber wenn dann wer an einem Tag mit 4 verschiedenen Schmerzempfindungen kommt und auch noch lautstark drüber jammert und Mitleid fordert...hmm, hab ich da schon meine Mühe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich eigentlich selten jammere und wenn, dann nur auf Nachfrage ;-) und dies automatisch auch von anderen Leuten erwarte. Wird wohl so sein.

Ich nehm das Leben wahrscheinlich anders an. Ich bin glücklich und zufrieden mit dem, was ich hab...sogar sehr glücklich. Und jetzt frag ich mich gleich auch, ob ich vor der MS-Diagnose auch so über mein Leben gedacht habe oder ebenfalls ein im Selbstmitleid versinkender Jammerlappen war. Ganz ehrlich... ich weiss es nicht. Ich werd wohl oder übel mal meine Familie um ein ehrliches und nicht schonendes Urteil diesbezüglich bitten müssen ;-).

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20.06.2011
von Nathalie

Stress und MS passen nicht gut zusammen…

Und man weiss es eigentlich schon länger. Ich spreche vom heutigen Modewort Stress, hervorgerufen von einer Welt, in welcher nur die Leistung zählt. Wenn man der Bedeutung dieses simplen Wortes nachgeht, erfährt man, dass Stress sowohl eine Reaktion des Körpers auf Spannungen als auch eine Verteidigung gegen Angriffe auf das persönliche Umfeld ist. Neutral gesehen ist Stress etwas Positives (auf Englisch Eustress), als Schutz und Reaktion auf eine schwierige oder potenziell gefährliche Situation. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird verstärkt, sowohl die Konzentration als auch die Reaktion sind auf dem höchsten Level. Wenn sich dann die Situation der Bedrohung oder des Konflikts auflöst, folgt eine Phase der Entspannung.

Aber es kann passieren, dass uns die Situation entgleitet und der Stress überhand nimmt, weil es entweder keinen Ausweg aus einer Situation gibt oder aber – typischerweise – im Fall einer Krankheit. Seien wir uns bewusst: Es gibt externen Stress auslösende Faktoren wie Veränderungen der Lebensumstände (Trauer, Umzug, Geburt, Scheidung...) sowie weitere Unannehmlichkeiten. Internen Stress können aber auch andere Faktoren auslösen wie intensive Freude oder Leid, Schmerzen, Erkrankung oder eben lang andauernde Krankheiten wie die MS... Unter solchen Umständen findet man nicht immer eine gute Lösung und man gerät in den Strudel von negativem Stress (Disstress). Noch schlimmer ist es, wenn der Stress chronisch wird: So ein Zustand kann das eigene Immunsystem schwächen und bis zur Erkrankung führen. Es ist schwierig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, man fühlt sich wie die Katze, die sich in den eigenen Schwanz beisst...

Glücklicherweise ist Stress nicht eine gegebene Tatsache. Es gibt eine Vielzahl von Techniken im Umgang damit. Einige davon finden Sie in der Lunea-Rubrik «Balance – Entspannung»(: http://www.lunea.ch/de/balance/entspannung/)
Persönlich habe ich so meine eigenen Tricks. Ich möchte diese gerne mit Ihnen teilen, gerade weil gewisse Techniken sehr einfach in den Alltag integriert werden können. Ich versuche, im Rahmen des Möglichen in einem positiven mentalen Zustand zu bleiben und jeweils ein NEIN in ein JA zu verwandeln. Sicher, das ist nicht immer ganz einfach! Doch ich versuche einfach, negative Ausdrücke wie «schlecht», «unmöglich», «ich kann nicht» etc. zu vermeiden. Zum Beispiel verwandle ich die Haltung «Ich kann in dieser Situation nichts machen» in ein «Ich mache es nach bestem Wissen und Gewissen». Dies ist ein psychologischer Trick, aber er wirkt, die Welt färbt sich gleich rosa ;-).

Ein weiteres einfaches Mittel, um den Stress zu bekämpfen, ist die Methode, sich regelmässig Momente für Angenehmes zuzugestehen. Versuchen Sie sich wenigstens einmal täglich etwas zu gönnen, was Sie sehr gerne tun (Lesen, Musik hören, mit Ihren Freunden telefonieren...). Sie werden erstaunt sein, um wie viel entspannter Sie sich am Ende des Tages fühlen werden.

Machen Sie auch Gebrauch von Entspannungstechniken wie Meditation, Tai-Chi, Sophrologie, autogenem Training, Yoga... Diese Techniken reduzieren Stress auf natürliche Art und Weise sowie ohne Nebenwirkungen, sofern sie unter Anleitung eines erfahrenen und kompetenten Therapeuten ausgeführt werden.

Seit 20 Jahren praktiziere ich nun die Sophrologie mehr oder weniger regelmässig. Diese Technik hilft mir, meinen körperlichen Zustand im Gleichgewicht zu halten, insbesondere in schwierigen Situationen.

Die Sophrologie reduziert meine Ängste und Spannungen wesentlich. Diese Methode basiert auf der Selbsthypnose und wurde vom kolumbianischen Arzt A. Caycedo in den Sechzigerjahren entwickelt. Sie besteht hauptsächlich aus mentalen und daneben auch aus körperlichen Übungen, die überall und zu jeder Zeit ausgeübt werden können. Die Sophrologie wurde speziell konzipiert, um Positives zu stärken, das Individuum im Jetzt zu verankern (Carpe Diem!) und um Stress abzubauen. Welch tolle Konzeption ;-)! Und glauben Sie mir: Es funktioniert! Es fühlt sich an wie ein Moment im Paradies, und dies ganz ohne Alkohol oder Drogen! Wohlgemerkt: Wie alle anderen Entspannungstechniken braucht auch die Sophrologie einige Übung. Viele Menschen praktizieren diese spezielle Technik in Einzel- oder Gruppenkursen, um sie zu erlernen und auszuüben. Hier finden Sie weiterführende Informationen darüber: http://www.sophro.ch/

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag voller Freude und Entspannung.
Nathalie

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26.04.2011
von Christian Rusterholz

Nach der Tour ist vor der Tour

Nach der Tour 2010 von Dänemark nach Zürich war die Luft in Sachen Sport raus. Sofa und Fernsehsport waren angesagt. Die Kalorienaufnahme war noch auf dem Niveau der Tour, nur fehlte jegliche sportliche Aktivität, um die Kalorien zu verbrennen. Die Retourkutsche bekam ich in den folgenden Monaten zu spüren. Mein Gangbild verschlechterte sich zunehmend. Wenn ich mich mal wieder zusammenraufte, um etwas Sport zu treiben, fehlten oft die Motivation und die Kondition sowieso.
Im Oktober kam es dann noch härter. Bei meinem schwachen Bein wurden die Schmerzen immer heftiger. Die Wade war geschwollen, aber das ignorierte ich. An einem Freitag Abend wurde es Sabine zuviel und sie fuhr mich freundlich aber bestimmt in die Notfallaufnahme, Diagnose Thrombose. Mit Blutverdünnung und Stützstrümpfen ging es bald besser. Ja nun bin ich also auch im Klub der „Stützstrümpfler“. Meine Nachbarn tragen auch welche. Meine Nachbarn sind 79 und 80.

Nach der Tour ist vor der Tour und so haben es Sabine und Thomas schon geahnt, es darf wieder gerollt werden für den guten Zweck. Die Inline Skater haben ihre rollenden Schuhe an den Nagel gehängt. Ob der noch lebendigen Erinnerungen an schmerzende Fussgelenke, Schotterpisten und ungeahnte Steigungen oder aus Sympathie zu mir, konnte nie ganz geklärt werden. Jedenfalls startet im Mai das gesamte Team auf Rennvelos. Das Motto ist diesmal, mehr Grenzen zu überschreiten.

Wir starten am 15. Mai in Amsterdam und fahren durch acht Länder, bis wir schliesslich nach zwei Wochen in Zürich eintreffen. Auf unserer Tour besuchen wir Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Deutschland, Österreich, Liechtenstein und die Schweiz.
Die Idee war geboren, das neue Ziel zum darauf hin arbeiten gefunden. Doch wie werde ich wieder fit? Gute Vorsätze zum Jahreswechsel? Tönt zwar gut, aber hält nicht lange an. Zum Glück hatte ich, wie im letzen Jahr, meine dreiwöchige Reha in Valens. Das Ärzte- und Therapeutenteam hatte mir ein sehr anstrengendes, aber umfassendes und wirkungsvolles Programm zusammengestellt. Nach diesen drei Wochen war eine Basis gelegt. Jetzt war es wichtig, auf dieser Grundlage weiter aufzubauen. Sabine, meine Lebenspartnerin, schaffte es immer wieder, mich zu langen Ausfahrten auf dem Fahrrad zu motivieren. Erst mal auf dem Rad rollte ich tadellos. Die Klickpedale helfen mir, mein schwaches rechtes Bein zu führen.
Doch nach jeder Ausfahrt folgt unweigerlich die Ankunft zu Hause. Nun kommt der für mich schwierigste Teil. Meist bin ich so müde und ausgelaugt, dass ich die Kraft nicht mehr habe, sauber abzusteigen. Elegant möchte ich gar nicht vom Rad steigen. Nicht auf die Nase zu fallen wäre schon super. Aber ich mache Fortschritte, und mit jeder Ausfahrt geht es besser. Noch bin ich nicht in der Lage, die langen Tagesetappen, immerhin bis 150 km durchzustehen, aber ich habe ja noch einen Monat. Bis dann muss (nein besser will) ich fit sein.

An der diesjährigen Tour haben wir die Übernachtungen im Voraus geplant, und die Hotels sind reserviert. Mit viel Zeitaufwand haben wir die Städte und Dörfer, in denen wir übernachten werden, im Vorfeld kontaktiert und von unserem Vorhaben berichtet. Viele konnten wir von unserer Idee begeistern. Die Orte mobilisieren die Bevölkerung, einige Bürgermeister begleiten uns, und da und dort ist die Presse an einem Interview interessiert. Wir möchten in die Presse, weil wir so möglichst viele Menschen erreichen und ihnen Mut machen, geradeaus zu schauen, auch wenn das Leben die eine oder andere Kurve eingebaut hat. Die Erwartungen der Städte und der Sponsoren spornen uns an und motivieren uns. Am letzten Tag begleitet uns sogar Franko Marvulli. Er ist Silbermedaillengewinner an den Olympischen Spielen und 30-facher 6-Tage-Rennen Sieger.

Das ganze Team freut sich auf die bevorstehende Tour. Begleiten Sie uns virtuell auf der Homepage www.grenzen-ueberschreiten.ch Lesen Sie, wie es uns auf den Etappen ergeht auf der täglich aktualisierten Homepage oder begleiten Sie uns ein Stück des Wegs. Legen Sie die Ausreden auf die Seite! Wir zählen auf Sie!

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