Familie und Freunde

Auch wenn eine MS-Diagnose einen grossen Einschnitt darstellt, geht das Leben weiter, und der Alltag muss nicht zwingend komplett umgekrempelt werden. Ob und wer von der Familie und von den Freunden darüber informiert wird, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Es kann sein, dass Angehörige und Freunde selbst in eine Krise geraten, da sie nicht aktiv etwas unternehmen können. Auf der anderen Seite kann man mit den engsten Freunden und der Familie in der Regel offen über Ängste und Erwartungen sprechen.

Wann und wie Sie Familie, Freunde und Nachbarn informieren möchten, müssen Sie selbst entscheiden. Ein sinnvoller Zeitpunkt ist, wenn eine Behinderung wie Lähmung, Gleichgewichts- oder Gehstörung zurückbleibt, da diese falsch interpretiert werden könnte. MS-Betroffene werden manchmal zu Unrecht als faul (bei Fatigue) oder betrunken (bei Gehstörungen) abgestempelt, was mit einer offenen Information verhindert werden kann. Von Gesetzes wegen sind Sie nicht verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber oder Mitarbeitenden etwas über Ihre MS zu erzählen. Mehr dazu im Kapitel Arbeit.

Der Verlauf der MS ist sehr individuell und nicht genau vorherzusagen. Das erzeugt zuweilen neue Belastungen, da eine längerfristige Lebensplanung erschwert wird. Klar ist, dass sich das Leben mit einer chronischen Erkrankung verändert. Flexibilität ist für MS-Betroffene eine wichtige Voraussetzung. Es gilt, sich immer wieder auf neue, veränderte Lebenssituationen einzustellen und daraus das Beste zu machen. Diese Flexibilität wird auch von Ihrem Umfeld erfordert, was Zeit und Energie braucht. Möglicherweise müssen Sie innerhalb Ihrer Familie oder Ihrer Partnerschaft die Rollen neu verteilen. Es können finanzielle Belastungen dazu kommen. Zögern Sie nicht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn alles zuviel wird. Hilfe von neutraler Seite kann neue Übersicht und Balance im Leben schaffen.

Neben den Verpflichtungen des Alltags braucht es vermehrt regelmässige Erholungspausen, die eingeplant werden sollten. Auch unbeschwerte Aktivitäten dürfen nicht zu kurz kommen: Ein geeignetes Hobby kann helfen, den Kopf zu lüften und Stress abzubauen.

Mit diesen Übungen trainieren Sie Ihr Gleichgewicht.


Therapiebegleiterin Barbara Kieser

Hören Sie im Podcast von Barbara Kieser, wie sie ihren Alltag als Therapiebegleiterin gestaltet.