Familienplanung mit MS - ein Thema, das vielleicht auch Dich betrifft oder in Deiner Zukunft einmal betreffen wird. Gerade weil das Thema so viel diskutiert wird, tummeln sich im Netz viele unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Informationen rund um Schwangerschaft mit MS. Dabei steht eines fest: Eine Schwangerschaft und Multiple Sklerose schließen sich keineswegs aus. Als MS-Patientin oder -Patient kannst Du, genau wie gesunde Menschen, ein Baby bekommen.1 Spezielle Risiken hinsichtlich einer Schwangerschaft gibt es durch die Multiple Sklerose in der Regel nicht,1 auch schränkt die Erkrankung die Fruchtbarkeit grundsätzlich nicht ein.2 Manche Patienten haben Angst, dass auch ihre Kinder MS bekommen könnten. Doch auch hier können wir Dich beruhigen, denn MS gilt nicht als klassische Erbkrankheit.3 "Es hat sich zwar gezeigt, dass das Risiko einer Erkrankung, wenn ein Elternteil MS hat, mit circa drei Prozent etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung mit 0,1 Prozent ist. Umgekehrt könnte man aber auch sagen, dass Kinder von MS-Patienten mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent nicht erkranken", sagt PD Dr. med. Kerstin Hellwig, Oberärztin am St.-Josef-Hospital in Bochum.3

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wann der richtige Zeitpunkt für eine Schwangerschaft und ein Kind bei MS ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Multiple Sklerose verläuft bei jedem Patienten individuell. Der Erkrankungsverlauf ist daher nicht vorhersehbar.4 Wichtig ist, dass Du und Dein/e Partner/in mit einem Frauenarzt und Deinem Neurologen sprecht, bevor Ihr versucht, ein Kind zu bekommen. Sie können Euch alle wichtigen Informationen zukommen lassen und Euch sagen, was es zu beachten gilt. 

Wie sieht die Therapie vor, während und nach der Schwangerschaft aus?

In puncto MS-Therapie muss bei der Familienplanung einiges berücksichtigt werden. So ist eine Behandlung mit MS-Medikamenten während der Schwangerschaft nur begrenzt möglich. Immunsuppressiva müssen beispielsweise bereits Monate vor einer möglichen Schwangerschaft abgesetzt werden, da die Medikamente zum Beispiel das ungeborene Kind schädigen könnten.5, 6 Gleiches gilt für Immunmodulatoren, also Präparate, die die Immunantwort Deines Körpers beeinflussen und so der MS entgegenwirken. Wirst Du mit einem Medikament dieser Klasse therapiert, solltest Du in dieser Zeit nicht schwanger werden. Kommt es doch zu einer Schwangerschaft, solltest Du mit deinem Arzt über eine Therapiepause sprechen.5

Wie genau musst Du planen?

Zwar gilt es einige Dinge zu berücksichtigen, allerdings gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen, wann Du mit der Planung Deiner Schwangerschaft beginnen solltest. Prinzipiell ist zu sagen: Nimm Dir lieber mehr Zeit, um nicht nur alle wichtigen Fragen zu klären, sondern auch um einen stabilen Gesundheitszustand zu erreichen. Das rechtzeitige Absetzen Deines Medikamentes ist nämlich nur das eine, wie Dein Körper darauf reagiert das andere. Bei ein paar Medikamenten kann der sogenannte Rebound-Effekt eintreten. Das heißt, dass nach dem Absetzen des Arzneimittels verstärkt Symptome und Schübe auftreten können.7 Geht es Dir längere Zeit gut, steht einer Schwangerschaft nach Rücksprache mit Deinem behandelnden Neurologen aber nichts im Weg.8

Wie hoch ist das Schubrisiko?

Manche MS-Patienten haben Angst, dass es in der Schwangerschaft unter ausgesetzter Medikation zu einem Schub kommt. Prinzipiell ist es möglich, dass Frauen mit MS einen Schub in der Schwangerschaft haben. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Schubrate innerhalb der neun Monate stetig abnimmt - um bis zu 80 Prozent im letzten Drittel.9 Sollte doch ein Schub in der Schwangerschaft auftreten, kann dieser mit Kortison behandelt werden.5 Erst nach der Geburt steigt die Wahrscheinlichkeit dann wieder an. "In den ersten drei Monaten nach der Entbindung erleiden etwa 30 Prozent der Frauen einen Schub, danach pendelt sich die Schubrate auf das Niveau vor der Schwangerschaft ein", so PD Dr. med. Kerstin Hellwig.3

Welche Vorkehrungen müssen getroffen werden?

Wenn es so weit ist und Du und Dein/e Partner/in ein Baby erwarten, müsst Ihr Euch um die gleichen Vorbereitungen wie Elternpaare ohne MS kümmern. "MS-Patientinnen müssen keine speziellen Vorkehrungen während der Schwangerschaft treffen. Sie sollten natürlich den behandelnden Neurologen informieren und ansonsten die üblichen Empfehlungen, wie die Einnahme von Folsäure ab Kinderwunsch, beachten", sagt PD Dr. med. Kerstin Hellwig.3 Auch im Hinblick auf die Geburt gibt es grundsätzlich keine Einschränkungen für Menschen mit MS. "MS-Patientinnen können entbinden, wie sie es gern möchten. Weder der Geburtsmodus noch eine Periduralanästhesie beeinflussen das Schubrisiko."3

Stillen oder nicht stillen?

So wie nichts gegen eine Periduralanästhesie bei der Geburt spricht, spricht auch nichts gegen das Stillen. Ganz im Gegenteil, Stillen kann sich sogar sehr förderlich auf den Krankheitsverlauf von MS-Patientinnen auswirken. Untersuchungen haben gezeigt, dass Mütter, die ihre Kinder zwei Monate nach der Geburt ausschließlich stillen, seltener einen Schub erleiden, als Mütter, die ihre Kinder nicht stillen oder neben dem Stillen mit Beikost füttern.11 Es trägt zudem zum Aufbau des Immunsystem des Babys bei.12 Hinzukommt natürlich, dass das Stillen sehr wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind ist. Dennoch solltest Du auch hierzu mit Deinem behandelnden Neurologen und deiner Frauenärztin sprechen und entsprechende Hinweise, die Deine MS-Medikation betreffen, beachten. 

Mehr Informationen?

Solltet Ihr jetzt noch Fragen zur Schwangerschaft mit MS haben, können Du und Dein/e Partner/in Euch jederzeit an Euren Neurologen und Euren Frauenarzt wenden. 

Mehr Informationen zum Thema gibt es bei der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft.

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